Universität Heidelberg
Ägyptologische Forschungsstätte für Kulturwissenschaft

Ramessidische Königseulogien der frühen 19. Dynastie und ihr propagandistischer Aussagewert.

(Dissertation)



Für eine Bearbeitung der Herrscherrepräsentation der frühen 19. Dynastie bietet das Material der Königseulogien offizieller, von der Staatsführung selbst in Auftrag gegebener Denkmäler einen eindrücklichen Überblick über die textliche Darstellung der ramessidischen Königsideologie. 


Formal gesehen handelt es sich bei den Eulogien um eine in sich geschlossene Textgruppe, die eng mit der Königstitulatur verbunden ist. Titulatur wie Eulogie werden grammatikalisch gesehen fast ausschließlich von Nominalsyntagmen bestimmt. 


Inhaltlich thematisieren beide die Namensnennung des Herrschers. Die offizielle Titulatur spezifiziert Stellung und Rolle des Amtsinhabers. Die Eulogie macht sich jedoch seine Individualität zum Thema. Er wird hier zu einer agierenden Einzelpersönlichkeit, dessen Handlungen nicht nur als Amtsausübung angesehen werden, sondern als persönlicher Einsatz seiner Fähigkeiten. Als Bindeglied der göttlichen wie der menschlichen Ebenen repräsentiert der Herrscher hierbei ein semigöttliches Eingreifen auf eine menschlich erfahrbare Dimension. Somit ist es nicht verwunderlich, dass für die Herrscherrepräsentation dieser Epoche gerade die Eulogie als Textelement in wesentlich gesteigertem Maße Verwendung findet. 


Thematisch scheiden sich die erhaltenen Eulogien dieser Zeit grob gesehen in zwei Gruppen. Die erste legt den Schwerpunkt auf die Darstellung des Amtsinhabers als Stifter und somit als Garant der das gesamte Kosmos erhaltenden Ordnung. Die zweite stellt seine Rolle als Kriegsherr dar, die sich nicht nur allein auf die Sicherheit des Landes und die Erweiterung des ägyptischen Staates bezieht, sondern auch die Wahrung und Verteidigung der göttlichen Schöpfung beinhaltet. Bei dieser groben thematischen Einteilung darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass die Darstellung bzw. Selbstdarstellung des ägyptischen Herrschers zu vielschichtig ist, um sich innerhalb ihrer Phraseologie isoliert nur eines dieser Themen zu bedienen. 


Auf welchen Themenschwerpunkte die Eulogie ihre Gewichtung legt, ist an erster Stelle von dem Aufzeichnungsanlass abhängig. Daneben muss - da die Eulogie nie als alleiniger Informationsträger isoliert zu betrachten ist – unabdingbar ihr gesamter Aufzeichnungskontext mit einbezogen werden. Dieser besteht neben der eulogieinternen Thematik der Phraseologie auch aus dem inschriftlichen Gesamtkontext, den begleitenden Darstellungen sowie aus dem Anlass und Ort der Aufzeichnungen. Erst hierdurch kann das genaue Wirkungsfeld des Denkmals unter dem Aspekt der jeweiligen Herrscherrepräsentation klar erkennbar werden. Im Gegenzug ergibt sich daraus ein äußerst differenziertes Bild bezüglich der Frage in welcher Art die Eulogien überhaupt für bestimmte Texte Verwendung fanden und welche Intention hiermit für die Gesamtdarstellung des Herrschers verfolgt wurde. 


Die Arbeit begründet sich auf einer Materialsammlung aller bis jetzt bekannten Eulogien der 19. Dynastie auf offiziellen Denkmählern. Als Grundlage diente hierzu das Textcorpus der "Ramesside Inscriptions" von K.A. KITCHEN. Die Texte selber wurden zum Teil vor Ort nochmals kollationiert. 
Die Reihenfolge, in denen die Eulogien in diesen Katalog aufgenommen wurden, basiert auf den Versuch einer chronologische Zuweisung der Inschriften, deren Kriterien ausführlich für jeden Text am Ende seiner Bearbeitung besprochen wird. Diese kann zum einen aus den in den Texten verzeichneten Datierungen gewonnen werden. Falls eine Datierung auf diesen nicht erwähnt oder erhalten ist, wird versucht, aus dem inschriftlichem Gesamtkontext und dem archäologischen Kontext Kriterien für eine chronologische Einordnung zu gewinnen. In einigen Fällen weisen auch die phraseologischen Formulierungen der Eulogie selbst Merkmale einer möglichen Datierung auf. Es muss bei solchen Texten jedoch darauf hingewiesen werden, dass ihre zeitliche Einordnung in einigen Fällen nur hypothetisch bleiben muss. Dass bei dem Katalog das Material zugunsten chronologischer und nicht inhaltlicher Kriterien geordnet wird, liegt darin begründet, dass die Entwicklung der Phraseologie und somit auch Veränderungen ihrer politischen Aussage so eindeutiger zu Tage treten. 


Jeder Text ist einer genauen Einzelbetrachtung unterzogen. Hierbei wurde das Hauptaugenmerk zunächst nicht auf die Verwandtschaft zu ähnlichen Texten, sondern auf die eigenständige Aussage der Eulogie und ihres Gesamtkontextes gerichtet. Neben den allgemeinen Angaben über das Denkmal, auf dem die Eulogie verzeichnet wurde, stehen zunächst Angaben über den archäologischen Befund sowie den Textträger und seine eventuell vorhandenen Darstellungen im Vordergrund. Abgesehen von wenigen Beispielen, wie der Bauinschrift Ramses’ II. aus Abydos oder dem Text der Qadesh-Schlacht desselben Herrschers, die aufgrund ihrer Länge eine kritische Textbearbeitung im Rahmen dieser Arbeit nicht zuließen, wurden die gesamten Texte, die sich auf den Textträgern befinden inklusive der Szenenbeischriften transkribiert und übersetzt. 


Es folgt zunächst eine kurze schematische Analyse der auf dem Denkmal verzeichneten Eulogie, die dem Leser einen Überblick über die der Eulogie zugrunde liegenden Thematik aber auch ihrer Zugehörigkeit zu den unterschiedlichen Eulogientypen geben soll. Neben den spezifischen Angaben zu der jeweiligen Eulogie wurde jedoch auch den Fragen nach dem Aufstellungsanlass und dessen Verhältnis zum Gesamttext sowie zu den vorhandenen Darstellungen nachgegangen. 


Um die Gesamtkonzeption des Denkmals und ihr Wirkungsfeld darzustellen, wurde vor der eigentlichen Bearbeitung der Eulogie zunächst auf den Textträger selber eingegangen. Diese Untersuchung umfasst neben dem historischen und topographischen Hintergrund auch das gesamte Bild- wie Textprogramm, in welches sich die Eulogie eingebettet findet und die für die Thematik der in ihr entwickelten Phraseologie von großer Wichtigkeit ist. Die Eulogie konnte somit im Zusammenhang des gesamten Kontextes ihres Denkmals und der beigefügten Texte bearbeitet werden. 


Die anschließende eingehende Betrachtung der Eulogie umfasst nicht nur ihre textkritische Untersuchung, sondern versucht auch die Aussagewirkung der in ihr entwickelten Phraseologie für das jeweilige Denkmal und dessen Umfeld selbst, aber auch für die Selbstdarstellung des Herrschers im allgemeinen darzustellen. Dies beinhaltet nicht nur die inhaltliche Analyse der einzelnen Phrasen, sondern auch die Frage nach weiteren Textparallelen, die zum Teil als direkte Vorlage oder aber im weiteren Sinne als "Fundus" für die verwendete Phraseologie dienten.

Claudia Maderna-Sieben



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