Universität Heidelberg
Ägyptologische Forschungsstätte für Kulturwissenschaft

Mythologische Erzählungen in den Heiltexten.

(abgeschlossene Dissertation)



Bereits kurz vor der klassischen Epoche des Mittleren Reiches begegnet uns in Ägypten das Phänomen mythologischer, als Schilderung eines urzeitlichen Präzedenzfalles in Heiltexte (vulgo: "Zaubersprüche") integrierter Erzählungen. Als Vertreter ein und derselben Textsorte sind diese zu "therapeutischen" Zwecken instrumentalisierten Geschichten (sog. historiolae), zu denen kürzeste narrative Sequenzen ebenso gehören wie elaborierte Götternovellen mit dreistelliger Versanzahl, trotz erheblicher qualitativer Differenzen einer gemeinsamen Direktive verpflichtet und besitzen in gewisser Weise ein konzeptionelles Formular. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner ist die explizite oder implizite Analogie, die eine relativ-aktuelle Krisensituation mit einem götterweltlichen Vergleichsmoment der "absoluten Vergangenheit" korreliert. Innerhalb dieses fest umrissenen Rahmens existieren jedoch überraschend wenige Normen: Jeder Text verfügt über eine eigene "Grammatik" und eine individuelle innere Logik, was dem Bearbeiter vielmehr eine werkimmanente Argumentation als einen komparatistischen Blickwinkel abverlangt. 


Meine Dissertation stellt eine diachrone Auswahl von knapp siebzig repräsentativen, zum Teil hochgradig prominenten, zum Teil so gut wie unbekannten Exempeln in (fallweise synoptischer) Transkription, metrisierter Transliteration und Übersetzung sowie mit ausführlichem Kommentarapparat (Grammatik, Stilistik, Lexik, Motivik etc.) zusammen und versucht die operativen Mechanismen am Einzelfall transparent zu machen. 

Sowohl nach Motivgruppen bzw. Mythemzyklen als auch chronologisch geordnet, liegt der Schwerpunkt auf den Zeugnissen der Ramessidenzeit, die in einem vor- wie nachmals unerreichten Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Innovation stehen. Eingeleitet wird die Untersuchung u.a. durch eine Erörterung der apotropäischen Schlangensprüche der Pyramidentexte, die bei gänzlich anderer Konzeption durchaus als motivische und/oder phraseologische Vorläufer gelten können, abgerundet durch knappe Ausblicke in die griechische und koptische "Magie".

Frank Röpke



-> Organisation -> Mitarbeiter: Frank Röpke