Universität Heidelberg
Ägyptologische Forschungsstätte für Kulturwissenschaft

Sprüche gegen Seth.
Das spätzeitliche Ritual des pLouvre 3129B39-E32 und sein soziokultureller Hintergrund.

(Arbeitstitel der Dissertation)



Die Geschichte der Spätzeit an der Schwelle zur Herrschaft der Argeaden, insbesondere aber die Kultur- und Geistesgeschichte jener Epoche, wurde vor dem Hintergrund des so genannten „Assyrertraumas“, d.h. des Einbruchs der kulturellen Kontinuität als Folge der asiatischen Eroberungen Ägyptens, oft ganz im Lichte von ausuferndem Konservatismus, religiöser Reaktion und extensiver Xenophobie gesehen.

Im Hinblick auf das Bewusstsein der eigenen Schwäche suchten die Ägypter das Heil im Kult, dessen Garantie sie als maßgeblich für den Erhalt ihres Umfelds wähnten. Daher wurden zur Rekonstruktion jener Gegebenheiten stets Kultrituale herangezogen, die man als symptomatisch für diese Haltung erachtete. Eines dieser Rituale ist die von S. SCHOTT in Urkunden VI (4-58) publizierte aber weitestgehend unbearbeitet gebliebene „Anweisung zum Sturz des Seth und seiner Komplizen“.

Mithilfe des ätiologischen Mythos von der Vertreibung des Osiris-Mörders Seth, in dessen Person sich alle Unwägbarkeiten dieser Unzeit mythographisch verarbeitet wurden, und seines erneuten Einfalls nach Ägypten sollten externe Einwirkungen der Gegenwart erfasst und folglich rituell behandelbar gemacht werden. Ziel der Dissertation ist die Beleuchtung dieses formal wie inhaltlich sehr detailreichen Textes von unterschiedlichsten Perspektiven: Vornehmlich soll über die Datierung des Textes anhand inhaltlicher, vor allem aber sprachlicher Kriterien eine Einordnung in den historischen Hintergrund versucht werden, sodass seine Aussagekraft als „historisches Dokument“ für das ausgehende 1. Jahrtausend v. Chr. verifizierbar wird. Auf diesen Punkt hin läuft auch die Betrachtung des Textes vor dem Hintergrund seiner unterschiedlichen Verwendungskontexte als Tempel- Herrscher- und Totenritual, wodurch seine Bewertung als Quelle über seinen Einsatz hin innerhalb der Verklärungen für Osiris, den geänderten Totenbräuchen der Spätzeit und der Stellung des Herrschers unternommen wird. Dabei soll es hinsichtlich der Wirksamkeit seiner rituellen Performanz (Persuativität, Analogiezauber etc.), der Funktionalität seiner mythischen Passagen (Narrativität, Historizität vs. mythische Neuschöpfung, Kultätiologie etc.) untersucht werden, um es letztlich innerhalb seiner Einsatzspektren zu verstehen.

Norman Fiedler



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